BildDatenAuszeichnung
Alleinunterhalter, Musiker, Sänger

geboren am 24.11.1929 in Schwaz in Tirol
gestorben am 11.07.2010 in Wien
beerdigt in Wien auf dem Simmeringer Friedhof (Teil N, Gruppe 9, Reihe 3, Nummer 12)

BiographieDiscographieVeranstaltungenBilder

Jugend

Erwin Unterlechner wurde am 24.11.1929 in Schwaz in Tirol als Sohn von Johanna Leitinger, Zementwarenerzeugerstochter, und Anton Unterlechner, Gefreiter im Tiroler Alpenjäger Regiment, geboren. 1934 erfolgte aufgrund des Wechsels des Vaters zur Bundessicherheitswache Wien der Umzug nach Wien. Die Eltern heirateten erst 1937, alles war immer abhängig von der beruflichen Tätigkeit des Vaters. Erwins Mutter bestand darauf, dass der Sohn Ziehharmonika lernt. Sie selbst war sehr musikalisch und auch sehr sportlich und in Tirol eine erfolgreiche Leichtathletin. Sie sagte immer, dass er mit dem Spielen auf einem Instrument immer Geld verdienen könnte. Erwin lernte zuerst eher unwillig, aber später mit großem Fleiß und die ersten Auftritte waren natürlich diverse Familienfeiern. Er erlernte den Beruf des Textilkaufmannes im Herrenmodensalon Franz in 1010 Wien, Freisingergasse 4/Petersplatz und wechselte danach als kfm. Angestellter zur Zentralsparkassa.

Collorado Cowboys

Als er so um die 20 Jahre alt war, wurde er Mitglied bei Conny Doerens Collorado Cowboys. Diese war die erste Band, die, Ende der Vierzigerjahre, ca. 10 Jahre in Kooperation mit der österr./amerik. Gesellschaft in den diversen Clubs Hillbilly- und Westernmusik und zum Square-Dance spielte, oft nur für Zigaretten oder Verpflegung. Damit es amerikanischer klingt, nannte man ihn „Irving Underlee“. Conny Tex Hat hatte im Österreichischen Rundfunk eine Sendung mit dem Titel „Das Lied der Prärie“. Darin erzählt er von der ersten Hillbilly Band Österreichs – den Collorado Cowboys, die bis Ende der Fünfzigerjahre bestand.

Die Formation veränderte sich mehrmals, Erwin Unterlechner blieb immer dabei und spielte das Akkordeon und sang. In 1030 Wien, Wassergasse 20 war ein kleiner Proberaum (das Kammerl gibt es heute noch) unter anderem spielte Erwin auch gemeinsam mit späterem Starjazzer Joe Zawinul, der das auch in einem Interview erzählte.

Die Optimisten

Nach Ende der Collorado Cowboys gründete Erwin das Stimmungstrio „Die Optimisten“ mit Gitarrist Otto Fast und Julius Anstoss am Bass. Sie parodierten aktuelle Schlager, die Erwin selbst schrieb, erzählten die neuesten Witze, spielten Sketches und machten Stimmungsmusik.

Krawattenzwang

Erwin, Otto und Julius waren ein Bomben-Stimmungstrio. Mit ihren Parodien, Witzen und Wienerliedern waren sie in ganz Wien bekannt und beliebt. Natürlich vor allem bei sehr vielen Damen, die dem Charme eines Musikers nicht widerstehen konnten. Sie waren natürlich nicht nur künstlerisch absolute Spitze, sondern sahen auch ausgesprochen fesch aus in ihren maßgeschneiderten Hosen, den weiß gestärkten Hemden und den rotgemusterten Designer-Krawatten. Julius war der Playboy des Trios. Er genoss die Gesellschaft von schmachtenden Damen und brachte so manches Groupie zu Fall. So war es auch bei Hilde, die mit ihrem Gatten Stammgast bei den Musikern war. Da ihr Mann Schichtdienst hatte, war es möglich, so manche Nacht mit Hilde zu verbringen.
Eines Tages – wie wir es ja aus vielen Filmen kennen – am ihr Mann früher von der Nachtschicht heim und die beiden Turteltäubchen hörten sein Auto auf den Parkplatz fahren. Rasch zog sich Julius an und floh über den Balkon aus der ebenerdigen Wohnung. So weit so gut, aber es unterlief ihm ein fataler Fehler. Die Krawatte blieb irrtümlicherweise im ehelichen Schlafzimmer liegen. Der gehörnte Gatte fand diese sofort und wusste auf der Stelle, dass es einer der Musiker sein musste. Er hatte diese Krawatte schon zigmal bei den zahlreichen Heurigenbesuchen bei seinen Lieblingsmusikern gesehen.
Seine Frau musste zwar den Seitensprung zugeben, aber er hat nie erfahren, wer von dem Trio sein Nebenbuhler war. Die Ehe wurde gerettet, der Heurige aber verlor seine besten Stammgäste.

aus dem Buch “Hot in the City” von Monika Neusser

Aber die Gruppe feierte große Erfolge in den Lokalen Fischrestaurant Winter am Alberner Hafen, im Restaurant Brodnik am Flösslerteich in Oberlaa, beim Heurigen Zum Pepi Plass in der Hafenzufahrtsstrasse 4 im Prater.
Gemeinsam mit „Kennst di aus“ Humorist Fritz Edtmeier waren die Optimisten die Urlaubsvertretung der Original Spitzbuben. Nach dem Ausscheiden von Julius Anstoss 1966 und einigen Versuchen einen Ersatz zu finden, z.B. mit einem Herrn Franz und Sängerin Alexandra, machte Erwin weiter im Duo mit Otto Fast, den er seit der Cowboy-Ära kannte. Ottos Interpretationen von „Schillers Glocke“ z.B. als Hans Moser, Theo Lingen oder Richard Romanowsky waren grandios – und nach dessen Tod im Jahre 1998 folgte Otto „Pauli“ Paulus, der in Kaiser Ebersdorf ein beliebter und bekannter Alleinunterhalter war (sein Paradelied „Morgen ja morgen fang ich ein neues Leben an“ von der EAV).

Musikalische Highlights

Erwin Unterlechner hatte Auftritte z.B. mit Karl Hodina, Horst Chmela, Christl Prager, den Strebersdorfer Buam, usw. Er war musikalisch bei diversen Löwinger-Bühne-Auftritten dabei, war musikalische Begleitung bei Lesungen von Mundartdichter Franz Lahner, ist mit Wondra & Zwickl auf der Bühne gestanden, hat bei Zentralsparkassa/Bank Austria-Bällen den Heurigenmusikpart übernommen, erfreute die Bewohner diverser Pensionistenheime mit seinem Vortrag, spielte auf unzähligen privaten Veranstaltungen und hat über 20 Jahre im Schloß Thürnlhof, Kaiser Ebersdorf, in der Stube „Waschkuchl“ musiziert. Mit seinen Paradenummern „Der zuzlate Jimmy“, den Parodien auf „Schmidtchen Schleicher“, „Ein bisschen Frieden“, oder „Pepito“ brachte er das Publikum zum Lachen. Da einige Rapid-Fußballer ebenfalls Zentralsparkassa-Angestellte waren (z.B. Roman Pichler und Günther Kaltenbrunner) war er sozusagen der Hausmusiker dieser Mannschaft und Tochter Monika ist seit Kindheit Rapid-Fan, denn ihr wurden immer Unterschriften, Jahresbücher, Wimpel, usw. zur Verfügung gestellt.

Privat

Im Juni 1957 erfolgte die Heirat mit Hedy und im September die Geburt von Tochter Monika. Tragischerweise verstarb 1984 Gattin Hedy.

Aus dieser Zeit hatte Erwin noch eine Altbauwohnung mit WC am Gang. Da er aber nicht immer in dieser Wohnung war überlegte er jahrelang, ob es sich auszahlt, ein WC im vorhandenen Bad machen zu lassen. Er kontaktierte den Installateur immer wieder, ließ sich Kostenvoranschläge machen, Pläne zeichnen, sagt ihm zu, dann wieder kurzfristig ab, änderte wieder seinen Plan … , bis er sich nach ca. 8 Jahren doch entschloss das WC einbauen zu lassen. Der Installateur sagt zu seiner Tochter, dass Erwin Glück hat, dass er ein so netter Herr ist und er ihm nicht böse sein kann, jeden anderen Kunden hätte er schon längst zum Teufel gejagt.

Seine Entscheidungsfreudigkeit ließ immer sehr zu wünschen übrig: so geschah es immer wieder, dass er in einem Lokal Essen bestellte und dann bei seiner Familie, oder mitgegangenen Freunden feststellte, dass die etwas für ihn Besseres bzw. schöner Angerichtetes bestellten. Man war dann immer genötigt zu tauschen.
Auch konnte sich Erwin wochenlang nicht entscheiden, ob er den ins Auge gefassten Pullover oder die Schuhe in der Auslage kaufen soll, oder nicht. Passt das zu mir, ist die Qualität gut, habe ich nicht genug davon zu Hause … Er spielte das Spielchen so lange bis er sich zum Kauf entschied, aber das Teil dann nicht mehr in der Auslage war.

Zum Glück lernte er schon bald seine Lebensgefährtin Edith neu kennen. Sie kannten sich bereits aus Jugendtagen im Kammerl in der Wassergasse und trafen sich nach Jahrzehnten wieder, als beide einen Schicksalsschlag zu bewältigen hatten. Im Sommerhaus in Zillingdorf verbrachten sie glückliche Jahre, legendär die Sonnwendfeiern am Badesteg, wenn Erwin auf seiner Hammondorgel spielte. Die Verbindung hielt über 20 Jahre, Erwin starb am 11.07.2010 nach langer schwerer Krankheit. Seinen letzten Auftritt hatte er gemeinsam mit seinem Freund Helmut Schneeweiss im Jahre 2008.

Erwin hat jedem Straßenmusiker immer etwas Geld zugesteckt, weil er gesagt hat, er selbst ist privilegiert, weil er nicht vom Musizieren abhängig ist, sondern immer einen fixen Arbeitsplatz hatte. Das gehörte ebenso zu seinen Hobbies wie Spazierengehen und dabei Texte lernen und Ideen für Parodien kreieren. Hauptsächlich überall dort hingehen, wo lebende Musik gespielt wird. Ins Kabarett, in Musicals gehen, oder Mörbisch besuchen, lesen, fernsehen (Krimis), Ausflüge machen, Natur genießen, schwimmen, gemütliche Stunden mit Familie und Freunden verbringen, besonders wenn dabei gut gegessen wird und der Schmäh rennt. Caorle, Wörthersee, Tirol, Salzburg, aber auch Amerika oder Kuba bereisen. Auf der Tyros-Heimorgel spielen – Sounds ausprobieren und komplizierte Einstellungen erarbeiten und lustige Gedichte zu verschiedenen Anlässen schreiben.

Nach seinem Tod kam Erwins Großkusine aus Stans in Tirol eines Tages nur für ein paar Stunden nach Wien und wollte unbedingt Erwins Grab besuchen. Sie wusste nur den Friedhof und die ungefähre Lage des Grabes. Ziemlich enttäuscht, da sie es einfach nicht finden konnte und der Bus bald wieder zur Abfahrt nach Tirol erreicht werden musste, gab sie die Suche auf und drehte sich Richtung Ausgang um. Da fing eine Krähe total laut zu krähen an und Karin ging wie in Trance auf die Krähe zu und siehe da – diese saß genau auf dem Grabstein von Erwin. Irgendwie unheimlich, was?

Monika Neusser
Tochter von Erwin Unterlechner

 

Monika Neusser ist Autorin von 3 Büchern und im Tennis 2021 österr. Staatsmeister bei den Damen 55plus:

Monika Neusser unterstützt mit einem großen Teil des Erlöses die Krebshilfe / Krebsforschung. Diese Bücher beinhalten humorvolle Geschichten aus dem wahren Leben und sind nette Geschenke, bzw. Mitbringsel. Zu bestellen unter www.bod.de oder bei jedem Buchhändler.

MC

Erwin Unterlechner - MC

Jahr
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Interpret
Titel
A
Die Optimisten
Die Optimisten
CD

Erwin Unterlechner - 5" CD

Jahr
Land
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Interpret
Titel
A
Die Optimisten
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2006
A
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