Rudi NEROTH

BildDatenEhrungen
Komponist, Textautor

Bruder von Hans Neroth

geboren am 11.09.1921 in Wien
gestorben am 10.01.1997 in Altlengbach
beerdigt auf dem Friedhof von Altlengbach

1984 Preisträger des Soldatenliederwettbewerbs
Goldenes Wienerherz
Goldene Lyra
BiographieAutobiographieeinige LiederKorrespondenzSendungPresse

Am 11. Sept. 1921 als zweiter „Bua“ sehr musikliebender und sangesfreudiger Eltern in Wien geboren. Sie waren bereit, auf vieles zu verzichten, um wenigstens an uns Kindern den für sie nie erreichten Wunsch erfüllt zu sehen, ein Musikinstrument zu erlernen. Mutter schrieb bündelweise Gedichte für alle Anlässe und kaum konnte ich reden, wurde ich ein allerdings sehr widerwilliger  Interpret ihrer musischen Ergüsse. Mein fast 8 Jahre älterer Bruder hatte es schon leichter, er verstand es bereits, sich erfolgreich zur Wehr zu setzen. Vater war sehr empfänglich für jede Art Fortschritt, war begeisterter Radio u. Grammophonspieler und jeder damals nicht gerade leicht verdiente Schilling wurde in die ersten trichterlosen Geräte und in Schallplatten investiert.

Es tönte aus allen Kisten und mir klingen noch heute die „Hits“ von damals in den Ohren, vom Charleston, Klingelfee u.s.w. bis zu Ernst Arnolds rührenden Liedern. Ich war begeisterter Zuhörer  und beherrschte bald das ganze Repertoire. Dafür bin ich heute noch dankbar, es sollte mir viel später in meiner Musikerlaufbahn immer wieder zugute kommen.

Mit dem ersten Klavier für den Unterricht meines Bruders, bekam ich natürlich ein herrliches Spielzeug und versuchte gleich alle in mir gespeicherten Melodien auf die Tasten zu übertragen. Es war ein sogenannter Stutzflügel, ein etwas vermessenes Unterfangen in einer Zimmer-Küche Wohnung.  Dafür aber auf Raten- wie sich das ja damals so gehörte. Jahre nach meinem Bruder war ich an der Reihe. Die Inhalte der div. Klavierschulen hatte ich ja bereits im Kopf und auswendigspielen machte mir schon damals Spaß. Dass es ohne Fleiß nicht so einfach war wurde mir bald klar, ich bemühte mich aber gern, nur hätte ich am liebsten gleich alle mögl. Instrumente auf einmal spielen mögen. Dies schon deshalb, weil mein Bruder bereits ein eigenes Orchester hatte und ständig bei uns in der Wohnung geprobt wurde. Obwohl gehörig mit Geräusch verbunden wurde unsere Jazzhausmusik anscheinend nicht als übertriebene Lärmentwicklung empfunden, denn weder von unseren Hausparteien, noch von solcher umliegender Objekte gab es Beschwerden. Umso beachtlicher, als ich anfing Trompete zu lernen und fleißig  „offen“ üben musste.

Nachdem es für mich feststand, Berufsmusiker zu werden, beendete ich noch meine Grafiker Ausbildung als Landkartenzeichner. Mit 17 mein erstes Engagement als Alleinpianist in einem Kaffeehaus im 15. Bez. tägl. bis 4h früh und ich war glücklich Nachtleben schnuppern zu können und mein Auswendigrepertoire zu erweitern. In dieser Zeit begann ich Texte u. Parodien zu schreiben und zu komponieren. Alles sozusagen für den Hausgebrauch. Das Nachtfalterleben währte nicht sehr lange, leider.  1940 zum RAD Gaumusikzug als Trompeter nach Dornbach, anschließend Militär, gottlob wieder zur Musik zu einem Orchester der Sturmgesch. Abt. nach Deutschland. Dort Kontrabaßstudium welches mir wirklich Spaß machte.  Nachdem kaum Gefahr bestand, ein 2. Teddy Wilson od. Harry James werden zu können, wollte ich in Zukunft lieber ein halbwegs passabler Bassist werden und dies scheint mir irgendwie auch gelungen zu sein, so behaupten zumindest einige wohlwollende Kollegen. Ob Natur- oder Elektrobaß, gar so unwichtig ist ja dieses Instrument auch wieder nicht, dafür spricht schon der historische Satz eines berühmten österr.  tschech. Kapellmeisters: „Hör ich kane Baß- sch… pfeif ich auf Musik“  soviel quasi zur Verteidigung aller meiner Artgenossen.

Nach dem Ende der Wehrmachtsbetreuung und Auflösung des Orchesters 1944 an die Front als Gefechtszeichner (mit Akkordeonverpflichtung in den Kampfpausen) im Kurland bis zum bitteren Ende 1945. Anschließend Russische Kriegsgefangenschaft in Minsk. Immer wieder half mir die Musik über vieles hinweg und so sollte es auch weiterhin sein, wie sich ja auch noch herausstellte .

Wir kamen in ein kleines Lager, nur ca. 400 Mann und lauter wiederauferstandene Österreicher, machten das Beste aus unserer Lage und bekamen 1946 sogar eine Gitarre. Lernte die Grundbegriffe und viele alte „Weanatanz“ von einem alten Schrammler.

Ich schrieb etliche heimwehträchtige Lieder „ Mein Wien wann werde ich dich wiedersehn“, Schrammeltanz,  „Erinnerung“ u. ä.  „Erinnerung“  sollte 35 Jahre später unter dem Titel „Lonely“ (nur ohne Text) durch das Wr. Solistenorchester im ORF eine Wiedergeburt erleben, ebenso meine Spittelberger- u. Ratzenstadltanz.

Andere wären textl. zu sentimental für die heutige Zeit, aber uns gaben sie damals  sehr viel, sie verbanden uns mit der Heimat und wurden im ganzen Lager gesungen. Nach der Heimkehr Anfang 1947 sofort bei meinem Bruder, dem „Hansl“ und seiner Band in Amiclubs zu spielen begonnen. Es sollte ein relativ kurzes Gastspiel bleiben, denn ich träumte davon,  mit einem kleinen Konzert- und Tanzensemble in Superhotels zu spielen, viel herumzureisen und zu sehen und vor internationalem Publikum mit der sogenannten Wiener Barmasche und echter Allroundmusik für unser schönes Land zu werben. Schneller als gedacht erfüllten sich meine Wünsche. Beginnend im 6. Bez., im sogenannten Groschenkeller des bekannten Kitzbühler Hoteliers Guido Reisch ging‘s dann richtig los. Es folgten viele Saisonen- Kitzbühel, Millstatt, St. Anton, Velden, Badgastein, Deutschland, Schweiz u.s.w. Überall in den besten Hotels und unser Quintett hatte wirklich Erfolg, dafür sprachen schon die laufenden Re-Verträge. Ich machte kleine Arrangements, schrieb Lieder, Viol. – u. Akkordsolis, übersetzte Texte, war also eigentlich entgegen meiner Wesensart, unglaublich produktiv.

Nach vielen Jahren dieses allerdings sehr lustigen Zigeunerlebens, planten wir nun endlich in Wien seßhaft zu werden, waren ja nur jeweils einige Tage zu Hause, zwischen den Egagements, bzw. Saisonen. Diese Leerläufe wurden immer konsequent mit Heurigenbesuchen und „Stempeln“ überbrückt. Als komplettes Ensemble gab´s aber in Wien keine Möglichkeit, also musste jeder von uns seine eigenen Wege gehen.

Ich kam 1961 in die Edenbar, anschl. Maxim, dann viele Jahre mit Heinz Hruza in der Trummmelbar   gewesen. Nebenbei viel in Theatern gespielt, in der Volksoper z.B. als sogenannter „Jazzbasist“ bei  den Musicals eingesetzt. „Westside-Story-Kissme Kate-Showboat“.

Freier Mitarbeiter beim ORF, viele Studioaufnahmen für ORF u.  FS. Das Glück, mit der ganzen Prominenz gespielt zu haben, (dies fallweise bis heute noch) gemeint sind z.B. die (alphabetisch geordneten) Herrn Professoren Michael Danzinger, Karl Grell, Norbert Pawlicki, Herbert Seiter.

In den Jahren 1974/75,  81/82/85 Weltreisen und Kreuzfahrten auf verschiedenen Luxusschifferln und auf KM umgerechnet, mehr als 200.000 über alle Meere geschaukelt. Dazwischen Kurorchester in Gastein und immer wieder (und noch) mit der bestimmten Wiener Musikerclique eng verbandelt.

Von übertriebenem Ehrgeiz nie geplant und vermutlich auch als Horror vor jeder Art von Formularen, erst 1979 der AKM beigetreten. Offensichtlich etwas spät für einen alten Schreiberling. Bis heute über 100 Nummern verlegt, nur eigene Texte, doch diese auch für andere Komponisten, besonders gern für meinen Förderer und Verleger Erich Benedini, Schreibe Tanz- Wiener- Schrammelmusik, kleine Viol.-u .Akkordeonsolis, also alle Arten U-Musik. In den letzten Jahren einige sogen. Schlußlieder für den Fernseh-Seniorenclub, gesungen von Hilli Reschl, Alfred Böhm od. Wolfg. Dauscha.

Etliche ORF-Produktionen mit Wr. Solistenorchester, Gertraud Winklbauer,  Bartrio,  Heinz Hruza, Babinski-Schrammeln, Elli Gerl u. Rud. Breuer Zithersolis.  Preisträger beim Soldatenliederwettbewerb des Bundesminist. f. Landesverteidigung 1985 mit dem Lied „Österreichs junge Soldaten“. (Worte u. Musik).

Für Verdienste um das Wienerlied, von der Vereinigung Robert Posch mit dem „Goldenen Wienerherz“ und der „Goldenen Lyra“  ausgezeichnet.

Schreibe weil‘s  mir Spaß macht, bin mir bewußt daß in diesem Metier Hauttreffer äußerst selten sind und finde jeder Musiker sollte sich darin versuchen. (es müssen ja net gleich symphonische Werke sein, da gibt’s eh kann Nachwuchs mehr der’s besser machen könnte) allein das Festhalten von eigenen Einfällen auf Notenpapier gibt einem doch was und bereitet Freude. Nur das Gespielte ist ja mit jedem Ton unwiederbringlich weg. So blicke ich neidlos zu den großen „Kollegen“ auf, denk mir höchstens: leider nicht von mir, will gern auch weiterhin Musikant und Schreiberling bleiben und das- so Gott gibt, noch möglichst lange. Die Musik war und ist eben für mich das Leben.

Text von Emmerich Arleth

Titel
Text
Musik
Das Zahnderl der Zeit
Rudi Neroth
Rudi Neroth
Denk nicht mehr an gestern
Ch. V. Christiersen
Rudi Neroth
Du kannst all’s von mir hab’n
Rudi Neroth
Endstation
Rudi Neroth
Es bringt nix
Rudi Neroth
Happy Charleston
Rudi Neroth
Ich hab‘ eine Bank
Rudi Neroth
Rudi Neroth
Lonely
Rudi Neroth
Ratzenstadl-Tanz
Rudi Neroth
Romantic Vienna
Rudi Neroth
Verzeih mir noch einmal
Rudi Neroth
Vielleicht
Rudi Neroth
R. Merlin
Violon Triste
Rudi Neroth
Brief Rudi Neroth an Arleth 23.03.1986
Brief Rudi Neroth an Arleth 27.07.1986
Sendung vom 06.09.1986
Die ganze Woche

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