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Gesang

geboren am 29.04.1881 in Wien
gestorben am 31.05.1961 in Wien
beerdigt in Wien auf dem Hernalser Friedhof (Gruppe T, Nummer 87)

BiographieVeranstaltungPresse

Als ganz junger Künstler-Humorist und Komiker lernte ich jene Sängerin des Wienerliedes kennen, die man als Urwienerin und Vollblutsängerin des Wienerliedes bezeichnete: Mizzi Starecek. Ein Begriff
für Wien und das Wienerlied. Wer erinnert sich nicht von den älteren Wienern an Alt Ottakring, an das Leben und Treiben bei den damaligen Stätten des Wienerliedes. Dazu gehörte auch das Lokal „Napoleon“, das Mizzi Starecek führte und bei der alles verkehrte was Rang und Namen hatte und mit dem Wienerlied in Verbindung war. Dort war das echt wienerische Fluidum zu finden, wo echt wienerische Musik und das Wienerlied die Wiener in die Stimmung versetzten, wo man zur Melodie Fiebrichs sang: Du liebes altes Haus schaust mich so freundlich an.

Und es war schön, herrlich schön, am Abend im Garterl bei der Mizzi Starecek im alten Ort zu sitzen und ihren Wienerliedern zu lauschen. Dazwischen gab es immer ein bisserl Wiener Humor mit dem Karl Kubala, der schon lange nicht mehr unter uns weilt, oder es sang „Derr Machala“ und der echte Wiener Abend war im Nu verflogen! Ja, damals gehörte es zum guten Ton, der ersten Heurigensängerin Wiens seine Referenz zu machen. Mizzi Starecek war schon als Kind ein „Sonnenkind“. Von den drei Kindern war sie dem Vater die liebste. Als Reisender viel unterwegs, bekam er die Kinder nur selten zu Gesicht. Aber wenn er zu Hause war, dann war es Mizzi, die ihn immer wiederdurch ihre Stimme, durch ihre Lieder, aufmunterte und in Stimmung brachte. „Die Mizzi ist ein Naturtalent“ sagten die Leute und sie behielten sogar Recht.

Mizzi sang sich durch die Schule. Als der Ernst des Lebens an sie herantrat, zimmerte sich Mizzi ihr Schicksal gleich vom ersten Tag an selbst. Mit 17 Jahren kam sie in die Ottakringer Tabakfabrik und sagte gleich zu Ihren Kolleginnen: „Ich mach Euch gleich aufmerksam, ich sing! Und wann i bei der Arbeit net singen kann, dann kann i net arbeiten.“ Das eine eindeutige Erklärung die jeden Kommentar überflüssig machte. Sie wurde der erklärte Liebling aller Kolleginnen. Und dann kam der große Tag, an welchem sie die Wiener aufhorchen ließ und sie eines Tages der erklärte Liebling der Wiener wurde. Von Ottakring übersiedelte sie nach Meidling und von dort in die Schönbrunnerstrasse, wo sie dann einige Jahre nach dem letzten Weltkrieg noch sang. Mizzi Starecek sang nicht immer allein. Sie hatte auch ganz besondere und erfolgreiche Partner, mit denen sie Duette sang und bei den Schallplattenfirmen große Geschäfte machte. Ich nenne da, den leider vor einigen Jahren verstorbenen Sänger Rudi Hermann, sowie die Sängerin Leopoldine Lauth, die sich schon seit einigen Jahren zurückgezogen hat. Viele Lieder und Duette wurden von den Sehallplattenfirmen und vom Rundfunk aufgenommen, Melodien die von den bekanntesten Wiener Komponisten und Textdichtern stammten und die alle große Erfolge waren. Schade dass viele von den Schallplatten nicht mehr existieren

Mizzi Starecek feiert nun ihren 80. Geburtstag und dieser Tag ist für mich der Anlass den österreichischen Rundfunk zu bitten, an diesem Ehrentag unserer Mizzi eine kleine Freude zu bereiten. Dieser Freudentag ist also heute, um Ihnen liebe Hörer einige Plattenaufnahmen von früher zu Gehör zu bringen. Vor 14 Tagen wollte ich Mizzi Starecek in ihrem Heim in Alt Ottakring aufsuchen, leider musste ich von ihrem Bruder hören dass sie im Wilhelminenspltal liegt. Wir wollen unserer lieben Mizzi Starecek zu ihrem 80. Wiegenfeste alles Liebe und Gute wünschen, dass sie bald aus dem Spital wieder in ihr Heim einzieht und ihr noch viele Jahre beschieden sein mögen.

Text von Emmerich Arleth

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