BildDatenposthume Ehrung
Gesang

geboren als: Richard Denemy

geboren am 16.05.1891 in Linz
gestorben am 08.01.1948 in London
beerdigt in einem Ehrengrab der Stadt London auf dem Friedhof Brompton (Kensington West)

2007 Richard-Tauber-Gasse im 23. Wiener Gemeindebezirk
BiographiePresse

Es war – so glaube ich mich erinnern zu können – im Jahre 1336, als ich dem berühmten Sänger, bejubelten Tenor Richard Tauber, im Varieté Ronacher die Hand geben durfte. In diesem Haus fanden, damals, „Artistenprüfungen“ statt , während der Saison, jeweils am ersten Samstag jeden Monats nachmittags und in der Jury befanden sich, als Ehrenjuroren geladen, die künstlerische Prominenz Wiens, die es sich zur Ehre und Aufgabe machten, für die Kollegen des Varietés, der Zirkusse, des Kabaretts, zu entscheiden, ob sie aufzutreten würdig wären.

Ich sehe ihn noch vor mir, im Smoking, das Monokel im Auge, meIne Knie eher weich, als mich mein Vater vorstellte und mir der große Kammersänger ein Foto mit Widmung überreichte. Grad dieses ist beim Bombenangriff 1945 in der zerstörten Wohnung meiner Eltern verschwunden.

Der in Linz geborene, hatte künstlerisch veranlagte Elternteile und sein Vater unterstützte den Wunsch des Jungen, indem er ihm ein Studium an der Frankfurter Hochschule, dem Konservatorium, ermöglichte; Klavier, Komposition und Dirigieren waren die Fächer. In Freiburg kam es zur Entscheidung, er fand in Prof. Karl Beines einen Lehrer, der ihn hart anfasste und täglich zum Singen anspornte, dem jungen Mann das Versprechen abverlangte, keinesfalls in den nächsten 18 Monaten öffentlich aufzutreten. Richard Tauber lernte Wagner-Rollen singen, fand sein „bel canto“ und debütierte mit Mozarts ”Zauberflöte “ in Chemnitz am 2.3.1913. Bereits 1922 fand er sich mit einem Vertrag an der Wiener Staatsoper, fand Gefallen Operette zu singen. Die „Fledermaus” und der „Zigeunerbaron” gehörten zu seinem Repertoire und als er am Theater an der Wien seine erste Lehar Operette „Frasquita“ sang, hatte seine Karriere einen neuen Weg gefunden.

Tauber war von da an Lehars Tenor, für ihn schrieb er ”Paganini“, 1927 „Zarewitsch“, 1928 ”Friderike“ aber 1929 „Im Land des Lächelns” hatte Richard sein „Tauberlied“ und die Rolle. „Dein ist mein ganzes Herz“ gehört wohl heute noch zu den schönsten Liebesliedern der „silbernen Operettenära”, sowohl textlich als auch musikalisch. Durch den Film, seine erste Amerika-Tournee gelang es ihm im englischsprachigen Raume Fuß zu fassen, das Publikum zu faszinieren und als in Österreich 1938 das Licht der Freiheit ausging, er als jüdischer Künstler nicht mehr auftreten durfte, blieb er im United Kingdom, die Covent Garden/Opera hatte ihn ja schon 1937 als Tenor verpflichtet. „Zauberflöte“, „Entführung”, „Die verkaufte Braut“ und ”Don Giovanni” folgten 1939.

Südamerika und Australien hörten ihn mit seiner stets wachsenden Popularität, dort erlebte er auch den Kriegsausbruch. In der Schweiz brillierte er als Rudolf in der ”Boheme“, kehrte nach England zurück. 1947 wurde Lungenkrebs diagnostiziert, das Ende seiner unbeschreiblichen Karriere war in Sicht.

Am 27.9.1947 gab unser einmaliges Mozart-Ensemble das erste österreichische Auslandsgastspiel in der Covent Garden, mit ”Don Giovanni“; sein berühmtes Mitglied Richard Tauber war dabei und erlebte den glücklichsten Moment seines Lebens mit den lieben Kollegen aus Wien.

Der Kreis schließt sich: mit Mozart begann es 1913, mit Mozart endete es künstlerisch am 27.9.1947.

Am 8.1.1948 starb Richard Tauber in Guys Hospital in London. Elisabeth Schwarzkopf, sie war in London mit auf der Bühne, meinte „Tauber war der größte Tenor, den zu hören ich die Ehre hatte” und ich durfte ihm 1936 die Hand geben!

Text von Emmerich Arleth

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