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Musiker (E-Bass, Posaune)

geboren am 16.03.1940 in Wien

BiographieDiscographie

Norbert Vas, ein gebürtiger Wiener, wurde am 16. März 1940, als zweiter Sohn eines Direktors der österreichischen Verbundgesellschaft, in ein gutbürgerliches Elternhaus hineingeboren. Als Kind lernte er Klavier, besuchte nach der Volksschule ein humanistisches Gymnasium und maturierte 1958. Auch bei ihm erwachte das Interesse an Jazzmusik während der Schulzeit mit etwa 14 Jahren und mit einigen Schulkollegen sollte eine Band gegründet werden. Ein etwa zwei Jahre älterer Freund, ein Verehrer Bix Beiderbeckes, präsentierte ihm eines Tages sein eigenes Instrument, eine Trompete, was gleichzeitig für Norbert Vas bedeutete, dass die Trompete für ihn als mögliches Instrument ausschied. Mit etwa 17 Jahren kaufte er eine Posaune und versuchte autodidaktisch erste Töne zu blasen. Bei Willi Meerwald, Posaunist der bekannten Fatty George Band, hatte er, im Lokal Tabarin, ein paar Unterrichtsstunden.

Norbert Vas definierte einige Gründe die ihn als jungen Menschen zum Jazz brachten. Ein Grund war der damals aktuelle Rock’n‘Roll, als Beispiel sei „Bill Haley and the Comets“ genannt, einerseits, und Glenn Miller mit seinem sanften Big Band Sound, auf der anderen Seite. Beide musikalischen Spielarten beeindruckten Vas, und wären, speziell was die Rhythmik, die Harmonik und solistische Strukturen betreffen, undenkbar in ihrer Form als eine Art der kommerzialisierten Nachfolge des Jazz, ohne den nachhaltigen Einfluss der Jazzmusik. Ihn interessierte nicht so sehr die moderne Populärmusik, sondern die Art von Musik, die wegweisend für Späteres war. Weiterer Anziehungspunkt war der Oldtime Jazz, ausgelöst durch das Dixieland Revival, welches aus England kommend, europaweit begeisterte Anhänger fand, und in Wien unter anderen auch Norbert Vas in seinen Bann zog. Ein weiterer Grund für das Interesse am Jazz war die Erkenntnis, dass dieser individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bot, und sich auf diesem Weg, für die damals straff unter Obhut stehende Jugend, eine Chance auftat, Schemen aufzubrechen und sich ein wenig eigenständig entfalten zu können. Nicht zu unterschätzen war auch die Anziehungskraft eines Wiener Kreises von Künstlern, vorwiegend bestehend aus Malern, Schriftstellern und Musikern, welcher nicht unbedeutenden gesellschaftlichen Einfluss ausübte.

Schon bald nach der Matura kam er auf diversen Clubabenden in Kontakt mit den damaligen Wiener Jazzkreisen und kurz darauf ergab sich für den 19jährigen ein erstes Engagement. Die Karajan Street Jazz Band, deren Name sich auf eine Straße im 20. Wiener Bezirk bezog, nahm den jungen Posaunisten Norbert Vas als Ersatz für Herbert Wurzinger zu Auftritten nach Zell am See mit. Das Studium der Technik, für das er sich auf Wunsch der Eltern inskribiert hatte, litt zusehends, zumal er bald nach diesem ersten Engagement im Wiener Lokal „Adebar“ verpflichtet wurde. In diesem Club war er, nach einem erfolgreich bestandenen Probemonat, für etwa ein halbes Jahr beschäftigt. Die Band spielte täglich sieben Stunden mit einem Ruhetag in der Woche, diese Phase fallt in die Jahre 1960/61. Das Studium brach er nach vier Semestern ab, er hatte gelegentliche Engagements, so tourte er mit Teddy Ehrenreich und seiner Combo durch Deutschland und absolvierte 1961 seinen Militärdienst. Im Anschluss begann er in Graz bei einem Produzenten von Akkumulatoren eine Ausbildung. Vier Monate später, nachdem er den Betrieb und die Produktion gründlich kennengelernt hatte, konnte er in Wien als stellvertretender Verkaufsleiter ein Büro und eine kleine Werkstatt leiten und sehr selbstständig arbeiten. Nach dem Verkauf der Firma und damit einhergehender innerbetrieblicher Veränderungen, sah er sich gezwungen seine gut dotierte Position zu kündigen.

Im Anschluss renovierte er, gemeinsam mit ehemaligen Mitarbeitern, ein Café, musste aber feststellen, dass der kommerzielle Erfolg ausblieb. Um Leerzeiten in seinem Lokal zu überbrücken, hatte er in einem Hinterzimmer begonnen autodidaktisch Elektrobass zu lernen. Nach dem Verkauf des Lokals 1970 wurde er durch einen Freund als Posaunist und Bassist auf ein Passagierschiff vermittelt, welches im Linienschiffsverkehr zwischen Europa und den USA verkehrte. Da seine Instrumentalkenntnisse am E-Bass allerdings noch nicht sehr profund waren, wurde sein Probemonat nicht verlängert. Danach war er etwa ein Jahr Mitglied einer vierköpfigen „Popband“, welche ausgiebige Tourneen durch Österreich, Deutschland und Schweden unternahm. Zwischenzeitlich, etwa von 1959 bis Anfang der 60er Jahre, war Norbert Vas in der Wiener Dixieland Band Brickhouse Jazz Band aktiv.

Die Harry David Singers, eine Band die sich musikalisch an amerikanischen Vorbildern wie „Blood, Sweat and Tears“ oder „Chicago“ orientierte, wurde sein nächster Arbeitgeber. Das Septett löste sich allerdings nach einem dreimonatigen Gastspiel in Berlin, wegen finanzieller Streitigkeiten auf. Mit dem Organisten dieser Band und einem Schlagzeuger formierte er ein eigenes Trio. Ein Engagement führte sie nach St. Anton am Arlberg im Bundesland Tirol. Zur selben Zeit fanden auch die Schiwochen des österreichischen Rundfunks in derselben Gegend statt und Erich Kleinschuster, der renommierte Jazzposaunist, hörte sich das Trio Norbert Vas’ an. Noch am selben Abend lud Kleinschuster Vas ein, in Wien am Konservatorium Jazz zu studieren. So kam es, dass Vas 1972 in Wien bei Erich Kleinschuster ein Studium begann und 1977 seinen Abschluss machte. 1972, auf Vermittlung Kleinschusters, wurde er als freier Mitarbeiter Programmgestalter für den ORF bei Ö3, welches damals hin und wieder leicht jazzorientierte Sendungen ausstrahlte.

Wieder zurück in Wien kam es zu einer erneuten großen Änderung in seinem Leben. Nach einer Neuformierung des Heurigentrios Die drei echten Wiener kam er 1973 als Kontrabassist hinzu und blieb bis 2003 in diesem kommerziell enorm erfolgreichen Ensemble. Obwohl musikalisch zum Großteil nicht befriedigend, war dieses Trio letztendlich doch der Grund, warum er Musiker blieb. Als Posaunist löste er 1972 Günter „Fatty“ Schwarz in der Barrelhouse Jazz Band ab, der während seiner Abwesenheit für ihn musizierte. Als Substitut, meist als Ersatzspieler für Willi Meerwald, musizierte er im Theater an der Wien und auch in der ORF Big Band, hier unter anderem außerdem auch als E-Bassist. Am 13. und 14. Mai 1975 spielte er, gemeinsam mit Bud Freeman (ts), Bill Grah (p), Bernie Gottlieb (b), Ernst Dworzak (tp), Walter Schiefer (dr) und Alfons Würzl (cl, ss), die Langspielplatte „Bud’s birthday“ ein. Ebenfalls in diesem Jahr, am 22. Und 23. September, wurde mit dem Kornettisten Wild Bill Davison und der Barrelhouse Jazzband, in der Besetzung Ernst Dworzak (tp), Norbert Vas (tb), Alfons Würzl (cl, ss), Bill Grah (p), Lothar Reichhold (bj), Bernie Gottlieb (b) und Horst Bichler (dr), eine Platte aufgenommen. Beide Produktionen fanden in Studios, bzw. beim Rundfunk in der Argentinierstr. statt, an dessen Entstehung 1972 auch Norbert Vas beteiligt war. Als er, beginnend 1976 wegen zunehmender Konzertveranstaltungen seines Wiener Lieder Trios, immer öfter Termine der Barrelhouse Jazz Band absagen musste, war eine erneute Trennung unvermeidlich. Als Nachfolger kam Willi Meerwald zur Band, und falls dieser, aufgrund anderer Verpflichtungen, Termine nicht wahrnehmen konnte, war Norbert Vas zur Stelle.

Seine ersten Improvisationsversuche auf der Posaune machte Norbert Vas autodidaktisch, indem er versuchte, das auf Schallplatte Gehörte nachzuspielen. Da er, bis zu seiner Studienzeit in Wien bei Erich Kleinschuster, Schwierigkeiten beim Noten lesen hatte, war er zumeist gezwungen, Melodien auswendig zu lernen und sie dann aus dem Kopf nachzuspielen. Erste akkordische Zusammenhänge und funktionsharmonische Strukturen lernte er von Dr. Werner Tritta, dem Banjospieler der Brickhouse Jazz Band, kennen.

Über die Auslöser, welche sein Interesse am Jazz allgemein erweckten, wurde vorhin schon erzählt, doch gilt es noch zu erklären was Norbert Vas zum Oldtime Jazz zog und ihn dort hielt. Die Gründe hierfür waren das dürftige theoretische Wissen über Jazzmusik, von Norbert Vas auch theoretisches Unwissen genannt, und das damals mangelhafte musikalische Verständnis für diese Musik, bedingt durch das schlichte Nichtvorhandensein adäquater Ausbildungsstätten.

Als stilistische Vorbilder nennt Norbert Vas die großen Posaunisten des frühen Jazz, Kid Ory … später aber die Posaunisten des Chicagostils, dessen herausragender Trompeter eben jener Wild Bill Davison war. Ein besonderes Erlebnis daher, mit ihm zu spielen. Die Posaunisten dieser Dixieland Variante waren Lou McGarity und Cutty Cutshall, mit denen er manchmal – so er einen guten Tag hatte – verglichen wurde, was ihn immer sehr aufbaut hat. Carl Fontana und Rosolino sind nur erwähnt, weil sie technisch und musikalisch jedes Posaunisten Vorbild sein sollten, und den vorher erwähnten natürlich weit überlegen waren. Zitat Norbert Vas: „Für mich unerreichbar, da hätte ich mit 10 Jahren zu spielen beginnen müssen, womit wir wieder beim Anfangsthema: Elternhaus angelangt sind.“ Weiters noch George Brunis und Jack Teagarden.

2016, mit 76 Jahren, hat Norbert Vas alle seine musikalischen Tätigkeiten eingestellt und genießt seither seine Pension.

Wir wünschen ihm noch viele schöne Tage im Ruhestand, so wie er den Menschen schöne Stunden mit seiner Musik beschert hat.

Harald Matjaschitz
2010

Vinyl EP

Norbert Vas - 7" EP

JahrLandLabelInterpretTitel
1968AFigaro ft 68-611Barrelhouse JazzbandMister Sheik
Vinyl 12LP

Norbert Vas - 12" LP

JahrLandLabelInterpretTitel
1965APhilips P 14 438 LV.A.4. Österreichisches Amateur Jazz Festival
1975APhilips 6322 012Bud Freeman u.a.Bud's Birthday
1975APhilips 6322 014Barrelhouse JazzbandBarrelhouse Jazzband starring Wild Bill Davison
1975ACBS 53 675Peter HajduI steh auf Wien
1978AColumbiaMusic CMLP 100-007Wolfgang Lindner BandInstrumental
1978APhilips 6322 031Barrelhouse JazzbandBlue Danube
1979AORF 0120 293Das große ORF UnterhaltungsorchesterORF Arbeitsplatte UO 2/79
1982DSonoton SON 185The ORF OrchestraMusic In The Air, Vol. 2
1984DSonoton SON 219The ORF OrchestraMusic In The Air, Vol. 4
ATyrolis 84 587Hannes Schlader und seine echten WienerIch wünsch‘ mir einen Fensterplatz im Himmel
ATyrolis 97 188Hannes Schlader und seine Wiener FreundeÜbers Jahr wenn die Kornblumen blüh'n
CD

Norbert Vas - 5" CD

JahrLandLabelInterpretTitel
1998ARST Rec. 91693-2Vienna Piccadilly OnionsNew Orleans & Dixieland Jazz
2008AMeltemi Music 1108Barrelhouse JazzbandCrazy Rhythm Since 50 Years
Vienna Piccadilly OnionsGoing to Dresden

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