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Komponist, Musiker (Schlagzeug)

geboren am 17.11.1944 in Frohnleiten / Steiermark
gestorben am 20.11.2011 in Gasselsdorf / Steiermark

Biographie
Oktober 1971. Die ORF-Big-Band wurde aus der Taufe gehoben. Erich Bachträgl war ihr erster Schlagzeuger. Nicht zu unrecht wird gesagt, die Qualität einer [Big]Band stehe und falle mit der Fähigkeit des Schlagzeugers, zu swingen und zu grooven – und Erich hat die Big-Band, wie alle anderen Ensembles, in denen er spielte, meisterlich angetrieben, ihren Sound entscheidend geprägt. Sein neuer, energetischer Stil hat seit Mitte der 60er Jahre zuerst in Österreich und später auf der ganzen Welt für Furore gesorgt und eine Generation von Schlagzeugern inspiriert.

Der Schlagzeuger

Erich Bachträgl gilt als der erste „moderne“ Drummer im österreichischen Jazz. Gelernt hat der aus Frohnleiten gebürtige Steirer ab 1963 an der Grazer Musikakademie bei Franz Nedorost – klassisches Schlagzeug. Im Jahr darauf begann er das Studium für Jazz-Schlagzeug an der damaligen Akademie für Musik und darstellende Kunst. Die Initialzündung hat aber bereits viel früher stattgefunden. Als Dreijähriger schenkte ihm seine Mutter zu Weihnachten eine kleine Trommel, mit der er sie sofort beim Klavierspielen begleitete. Mit sechs Jahren nagelte Erich einige Blechdosen auf ein Brett, ein größerer Blechdeckel diente als Crash-Becken. Später erkannte sein Großvater Erichs musikalisches Talent und schenkte ihm – als Ergänzung zu den „Steeldrums“ – ein richtiges Schlagzeug.

Die goldenen Jahre

Damit war sein Weg wohl vorgezeichnet. Er war kaum achtzehn, als ihn Harald Neuwirth entdeckte. Eine bemerkenswerte Karriere begann. Beim Wiener Jazzfestival 1964 wurde er als als bester Solist ausgezeichnet, und als 1965 in Graz die Abteilung Jazz an der Hochschule ins Leben gerufen wurde, war Erich Bachträgl nicht nur Student, sondern bald auch Lehrer.

Erich Kleinschuster engagierte ihn 1966 für sein Sextett mit Art Farmer, Fritz Pauer, Jimmy Woode. Es folgten Auftritte bei allen großen europäischen Festivals, und Erich Bachträgl spielte mit vielen Jazzgrößen dieser Zeit, von Phil Woods und Clark Terry bis Charles Tolliver, von Joe Zawinul und Gerry Mulligan bis Herb Ellis und Barney Kessel.

Das Pauer-Trio

Nachdem Erich in die Bundeshauptstadt übersiedelt war, spielte er unzählige Sessions im Josefinum, einem nicht mehr existierenden Jazzkeller in Wien-Alsergrund. Pianist Fritz Pauer, der 1970 mit Bachträgl und Bassist Jimmy Woode das legendäre Fritz Pauer-Trio gründete, erinnert sich: „Wir waren manchmal fast rund um die Uhr beschäftigt, spielten bei Jazzfestivals und machten Aufnahmen für MPS-Records: Power by Power, Heidelberger Jazztage etc. Mit Art Farmer und Jimmy Heath waren wir bei From Vienna with Art dabei. Außerdem unterrichteten wir beide an der Jazzabteilung des Konservatoriums der Stadt Wien, hatten wir Saisonverträge beim ORF (Big Band) und spielten bei einer Menge von Plattenproduktionen im Konzerthausstudio: André Heller, Erika Pluhar, Peter Alexander, um nur einige wenige zu nennen. Damals schaute der ORF-Stab noch auf Qualität und Eigenproduktionen.“
Erich Bachträgl spielte bei George Gruntz‘ Piano Conclave, dessen ORF-Studioaufzeichnung eine Wiederholung im Kulturfernsehen ORF III wert wäre, in der NDR Bigband, sowie mit Heavyweight [Harry Pepl, Hans Salomon], bei Andy Haderers Jazz Ahead, mit Albert Mair, Heinz von Hermann, Sal Nistico, Lee Harper, Zipflo Reinhardt, Gerd Schuller und vielen anderen . . .

Der Komponist

„Erich war nicht nur ein kreativer, lustiger, großartiger Schlagzeuger“, blickt Fritz Pauer zurück. „Mit Aladar Pege am Kontrabaß spielten wir auch einige seiner Kompositionen wie Easy M und Backsliders Hambone. Nach mehreren Jahren intensiver Zusammenarbeit kehrte Mr. Erich Backslider in seine steirische Heimat zurück. In Graz trafen wir einander 1989 an der KUG wieder, wo wir an der Jazzabteilung lehrten und noch gelegentlich gemeinsam konzertierten. Ich vermisse einen großartigen Musiker und einen guten, hilfsbereiten Freund.“

In Erinnerung

Mit Erich Bachträgl verbindet mich ein unvergeßliches Erlebnis: mein erster Studiojob. Es war der 2. September 1974 und ich als zweiter Gitarrist neben meinem großen Vorbild Harry Pepl bei der ORF-Big-Band engagiert. Professor Bachträgl, ganz Respektsperson, begrüßte mich mit heiserer Stimme und gab mir ein paar gute Tipps, ehe er sich wieder ins Schlagzeugkammerl des RP2 im Wiener Funkhaus zurückzog, um einen furiosen Track einzuspielen. Zwar wurde diese Aufnahme für Schlagzeug und Big-Band nicht genommen, weil Arrangeur Hans Salomon einen einfacheren Beat brauchte, aber selbst wenn das Mehrspurband mit dieser ersten Version nicht gelöscht worden sein sollte, wird es heute, 38 Jahre später, wahrscheinlich gar nicht mehr abspielbar sein. Diese Musik ist verklungen.
Erich Bachträgl hat unsere Welt in großem Ausmaß bereichert. Sein Beitrag bleibt nicht nur durch seine zahlreichen Aufnahmen erhalten und unvergessen.
Sein pulsierender Rhythmus schwingt weiter durch den Äther – bis in Ewigkeit.

Eine Würdigung von Peter Paul Skrepek aus der musikergilde.at

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