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Musiklabel, das sich ganz dem Blues verschrieben hat

gegründet 1981

Gründungsmitglieder:
Hannes Folterbauer
Dr. Herbert Pessiak
Christian Sandera
Paul Sedlacek

Historie

Wolf-Records – ein österreichisches Label, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die amerikanische Volksmusik, denn dies ist der Blues im ursprünglichen Sinn des Wortes, zu retten. Blues und Jazz, die einzig wahren kulturellen Produkte der USA, und ein österreichischer Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder namens Hannes Folterbauer. Wie passt das zusammen? In einem Gespräch mit Hannes lernte ich seine Beweggründe verstehen. Zeit: 1973; Ort: Wien, Jazzland, Event: Big Joe Williams – live. Für Hannes Folterbauer, der damals den Blues mit John Mayall oder der Gruppe Canned Heat verband, ein mittlerer Schock. Da kommt ein alter Mann aus Amerika, steigt auf die Bühne und spielt Sachen, so schön, so einfach, so herrlich, dass einem die Gänsehaut aufsteigt. Big Joe Williams als Initialzünder für Wolf-Records? Indirekt ja!

Vorerst aber gründet Hannes mit einigen Freunden 1974 den Vienna Blues Fan Club, dessen Ziel es war, den Blues in unseren Breiten populärer zu machen. Dieses kleine Häufchen von Blues-Enthusiasten bringt in der 2. Hälfte der 70er-Jahre Bluesgrößen wie Honey Boy Edwards, J.B.Hutto, Homesick James, Snooky Pryor, Houston Stackhouse, Eddy Taylor Louis Mayers oder Henry Townsend nach Europa und arbeitet zwischen 1978 und 1981 sehr eng mit Fatty George zusammen. Man bringt die Bluesleute in die TV-Sendung „Fatty’s Saloon“, aber auch live in Fatty’s Lokal und zu den jeden Sonntagmorgen im Gartenbaukino stattfindenden Jazz-Matineen.

1981 ist dann endgültig das Gründungsjahr von Wolf-Records. Die Gründungsmitglieder setzen sich aus Paul Sedlacek, Christian Sandera (der geniale österreichische Harp-Spieler – zu hören auf der letzten CD von Al Cook), Dr. Herbert Pessiak und natürlich Hannes Folterbauer. Vier ehemalige „Vienna Blues Fan Club“ – Mitglieder, die mehr für den Blues tun möchten. Man fährt in die Staaten nach Mississippi und macht die ersten Field-Recordings mit Leuten wie Eugene Powell, Jack Owens oder Jimmy Holmes. 1982 entscheidet man sich dann für Studioaufnahmen in Chicago. Die erste Platte mit Brewer Phillips verkauft sich gut und unsere Crew entschließt sich zu Aufnahmen mit dem Pianisten Jimmy Walker, dem unverständlicherweise bis zu diesem Zeitpunkt in den USA kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In den folgenden Jahren werden sowohl Neuaufnahmen als auch Re-Issues von Pre and Postwar-Blues-Größen produziert. Der wahre Durchbruch gelingt allerdings erst 1986, als man Magic Slim & The Teardrops ins Studio holte. Diese Schallplatte, „Chicago Blues Session, Vol. 3, Magic Slim & The Teardrops“, wird nicht nur der erste wirklich große Verkaufsrenner, sondern auch der erste W.C. Handy-Award – Gewinner für Wolf-Records. Dieser Preis wird jährlich in Memphis, USA, verliehen und kann durchaus als „Oscar“ der Bluesmusik bezeichnet werden.

Genau zum Zeitpunkt der bisher größten Erfolge entschließen sich zwei der vier „Wölfe“ auszusteigen. Paul Sedlacek und Christian Sandera ziehen sich aus familiären Gründen zurück. Zum Ausgleich steigt Hannes‘ Frau Andrea, die schon bisher mehr oder weniger ehrenamtlich mitarbeitete, nunmehr offiziell ein.

1988 folgt mit „Giants Of Country Blues Guitar“ ein zweiter W.C. Handy Award. Und es sollte auch nicht der letzte sein. 1990 und 1991 konnte wieder Magic Slim für Wolf-Records punkten. Seit Anfang der 90er-Jahre beschäftigt sich unser Label nicht mehr nur mit der Förderung des Chicago- und Mississippi-Blues, sondern auch mit den österreichischen Bluesgrößen Joachim Palden, Al Cook, Dana Gillespie (sicherlich als halbe Österreicherin zu werten) und der jungen Gruppe Hooked On Blues, deren erste CD auf Wolf demnächst erhältlich sein wird.

Ebenfalls demnächst erhältlich ist der Blues-Sampler „Austrian Blues Summit“ mit Bluespumpn, Al Cook, dem Christian Dozzler Trio (= The Blue Waves), Hooked On Blues, Andy „Lee“ Lang, der Mojo Blues Band, Martin Pyrker, Christian Sandera, Hans Theessink, den Untouchables u.v.a. – ein Muss für alle Fans.

Nebenbei werden natürlich auch noch Konzerte organisiert, so wie z.B. das heurige „Chicago Blues Festival“ in Österreich, bei dem der phantastische Magic Slim ebenso bewundert werden kann, wie das junge US-Gitarrentalent Vaan Shaw oder die grandiose Dana Gillespie. Und so gehören die Tage des Hannes Folterbauer seinem Beruf, seine Nächte aber ebenso wie seine Wochenende, seine Mittagspausen und jede weitere Minute seiner Freizeit seiner Berufung – dem Blues. Diesen fanatischen Enthusiasten – Andrea und Hannes Folterbauer und natürlich dem unermüdlichen Dr.Herbert Pessiak – sollte der Dank aller Blues-Fans gelten, denn es gibt leider nicht gar so viele Menschen wie die „Wölfe“ von Wolf-Records.

Bernhard Kludak
nach einem Gespräch mit Hannes Folterbauer
Ende 1993